Verfasst von: dora | September 29, 2010

Fliegerklatsche reloaded.

Die Urlaubszeit ist gerade vorbei. Braungebrannt kommt man aus dem sonnigen Süden nach Hause geflogen und fühlt sich wieder so richtig entspannt. Billig war es auch noch, und deshalb wird nächstes Jahr wieder irgendwo ans Mittelmeer geflogen. Oder mal ein Kurztrip nach Rom? Kein Problem. Ab schlappen fünf Euro kommt man davon.

(Angebot einer Billigflugfirma vor wenigen Tagen)

Es wird zwar oft genug darauf hingewiesen, aber die meisten Menschen scheint es aus purem Egoismus trotzdem nicht zu stören („Das soll ich mir auch noch nehmen lassen?“). Fliegen ist eine Umweltschutztechnische Katastrophe sondersgleichen. Kürzlich habe ich mitbekommen, dass jemand aus dem Raum Stuttgart in Berlin eine Wohnung sucht. Um das zu erledigen muss man eben mal für 2-3 Tage in die Stadt kommen. Als ich dann aber gehört habe, dass die Person fliegt, dachte ich ich höre nicht recht. Für eine Strecke, für die man selbst mit der Bahn nur einen knappen Nachmittag benötigt fliegt da jemand innerhalb Deutschlands und es geht noch nicht mal um Urlaub. Glücklicherweise bietet die Bahn (die als einzige damit auch angeben darf) einen Service für jede befahrene Route an, mit der man herausfinden kann, welches das schnellste und umweltschonendste Verkehrsmittel ist. Das Ergebnis ist wie zu erwarten ziemlich hart:

(‚UmweltMobilCheck‘ auf der Strecke Stuttgart-Berlin auf bahn.de)

Das ist selbst für eine Strecke wie Stuttgart – Berlin ziemlich eindeutig, weil für das Flugzeug keine langen Anreisestrecken notwendig waren, was sonst noch dazukommen würde. Jetzt mag manch einer denken ‚Flugzeug ist ja noch ganz toll. Ich mag die Bahn nicht, also flieg ich lieber, weil Autofahren ist noch schädlicher.‘, nur leider ist das so falsch wie die alte Mär, dass fliegen schneller geht.

Flugzeuge fliegen nun mal leider nicht auf Bodenhöhe, sondern weit darüber. Und da unsere Atmosphäre aus verschiedenen Schichten besteht, die alle sehr unterschiedliche Eigenschaften haben, gibt es nun mal auch sehr unterschiedliche Auswirkungen von diversen Ausscheidungen eines Flugzeugs auf die Atmosphäre. Laut einem Sonderbericht des IPCC aus dem Jahr 1999 sollte man besonders bei CO2 einen Faktor von 3 ansetzen, um Auswirkungen abzuschätzen. Dann schauen wir uns doch noch mal obiges Diagramm an: 87,9 mal 3 ergibt 261,9 und damit mehr als acht Mal so viel, wie mit der (meist am Boden verankerten) Bahn.

Da geht es nicht mehr um persönliche Vorlieben und eilige Interessen. Fliegen innerhalb eines Rahmens von 700km ist meineserachtens immer unnötig. Man spart sich auf einer innerdeutschen Reise mit dem Flugzeug im Schnitt so etwa 3 Stunden. Das für den Preis eines achtfachen Umweltschadens kann und werde ich nicht verstehen. Ob ein Politiker, der wöchentlich fünfmal von Berlin nach Bonn und zurück muss, oder die Studentin auf Wohnungssuche: Fliegen ist die Klimasünde schlechthin.

Leider ist in der Zeit von Billigfliegern aber die Bahn im ökonomischen Nachteil. Ein Flug inklusive allem, was noch dazu kommt kann schon mal bei 20-30€ bleiben, während es bei der Deutschen Bahn in dieser Preishöhe selbst mit bester Vergünstigung des Dauerspezials gerade mal anfängt. Deshalb ist Fliegen auch immer öfter eine Alternative für den Wochenendurlaub in einer beliebigen europäischen Metropole. Der Focus hat zu diesem Thema mal ein paar Fakten recherchiert:

Ein Beispiel: Wer nur einen 2-Tage-Trip machen möchte, wird kaum länger als fünf Stunden zu seinem Ziel unterwegs sein wollen, egal mit welchem Verkehrsmittel, um noch genug Zeit für sein Reiseziel zu haben. Während er beispielsweise mit der Bahn in fünf Stunden von Bonn nach Berlin fahren kann, kann er in der gleichen Zeit bis nach Dubai fliegen.

Auf der innerdeutschen Bahnstrecke werden allerdings nur rund 30 Kilo des Treibhausgases CO2 freigesetzt, während es bei einem Flug nach Dubai 1540 Kilo Klimawirkung* sind, also mehr als das Fünfzigfache.

(Quelle)

Wenn man bedenkt, dass ein nichtfliegender Mensch in einem europäischen Industrieland rund 10 Tonnen CO2-Ausstoß verursacht, und so ein Flug schon mehr als ein Zehntel davon innerhalb von 5 Stunden kostet, muss es schon ein tolles Urlaubsziel sein. Ob Metropolen, Sandstrände oder Bergwandern, alles ist auch mit der Bahn oder für Extremisten sogar auf einer mehrtägigen Fahrradreise zu erreichen. Fliegen braucht keiner.

Übrigens noch ein Fakt am Rande: Die sonst so aufgebauschte Gruselzahl der Absturztoten ist letztes Jahr gerade mal auf 695 geklettert. Nicht so wirklich viel auf die tausenden Flüge gesehen. Dagegen die Zahl derer, die Aufgrund der Folgen von Schadstoffausstoß und Luftverschmutzung frühzeitig gestorbener Menschen beträgt laut einer Studie von Steven Barret (MIT) Achttausend (!) Menschen, wobei die bodennahen und Treibstoffintensiven Starts und Landungen noch nicht mal mit eingerechnet sind:

We estimate 8000 premature mortalities per year are attributable to aircraft cruise emissions. This represents 80% of the total impact of aviation (where the total includes the effects of landing and takeoff emissions)

(Quelle)

Dazu kommt natürlich noch der Fluglärm. Wie derzeit beim Flughafenneubau BBI bei Berlin oder wenige Monate zuvor bei der Debatte um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen macht man sich keine Freunde in der Landbevölkerung, wenn man mehr Flugverkehr fordert. Der Großteil der Menschen bekommt Fluglärm leider nicht so direkt mit, was zu einer Akzeptanz von Flugzeugen führt und man sie selber ganz ohne Sorgen nutzt.

Flugzeuge sind die schlechteste Fortbewegungsart gleich nach russischen Panzern. Seht es endlich ein!

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Responses

  1. Ich sehe das so wie du: Innerhalb Deutschlands ist Fliegen Unsinn und wie du schon aufegzeigt hast, ist die Zeitersparnis nicht so groß, als dass sie als Argument für das Fliegen dienen kann. Schließlich dauert das Einchecken usw länger als auf den Bahnsteig zu gehen und sich in den Zug zu setzen. Mal davon abesehen, dass das natürlich sehr viel weniger Stress bedeutet. (Ich muss aber auch sagen, dass ich außerordentlich gerne mit dem Zug fahre und deshalb etwas befangen bin…).

    Das Hauptproblem ist – wie du gezeigt hast – dass die Bahn preislich überhaupt nicht mit den Fluglinien konkurrieren kann. Im Zweifelsfall wird dann halt auf den eigenen Geldbeutel geschaut und die Umwelt ist schnell vergessen. Ich frage mich warum das so ist. Hast du dazu Informationen? Bekommen Fluglienien wie Ryanair Subventionen/Steuererleichterungen o.ä.?

    • Interessante Frage. Hab dazu diese Seite gefunden, die einen guten Überblick zu geben scheint: http://www.aerosecure.de/studie/2625-warum-sind-billigflieger-so-billig.php

      Unterm Strich ist es vermutlich so, dass man als Bahnfahrer genau so viel zahlt, wie als Fluggast, jedoch sind durch die Aufteilung in Flugpreis und Gepäck+Kerosin etc nette Werbetricks möglich. Und das reicht ja leider aus.

  2. Zu den Absturztoten noch:
    (leider ohne Quelle..)

    So weit ich weiß ist die Bahn gemessen an der Reisezeit sogar trotzdem noch das sicherere Verkehrsmittel, erst gemessen an der Reisestrecke gewinnt das Flugzeug.

    Also wer mal 4 Stunden reisen will egal wo hin, nehmt doch die Bahn… 😉

  3. Jaja, dass eine Webseite der Bahn behauptet, die bahn wäre das beste Verkehrsmittel, wundert mich nicht 😉


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