Verfasst von: dora | August 24, 2010

Blutiger Spaß, oder: Wer das liest ist voller Blut.

Der Bürgerkrieg im Kongo ist der opferreichste Krieg seit dem zweiten Weltkrieg. In den letzten 12 Jahren alleine sind dort über 5,4 Millionen Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Ein Land, dass von Warlords mehr als von der eigenen Regierung beherrscht wird. Der Kongo ist wie viele zentralafrikanische Länder ein rohstoffreiches Land ohne Gleichen. Von Diamanten über Öl bishin zu verschiedensten Metallen. Über „Blutdiamanten“ redet jeder. Was fehlt ist allerdings eine Diskussion über das sprichwörtliche Blut, dass an unseren elektronischen Geräten klebt.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gibt laut FAZ an, dass knapp die Hälfte des verbrauchten Tantals – ein wichtiger Baustein für Kondensatoren die in quasi jedem technischem Garät heute vorkommen – bis heute aus dem Osten Kongos kommt obwohl zahlreiche Alternativen existieren. In Australien werden Tantalminen geschlossen, weil sie mit den Dumpingpreisen der Rebellen im Kongo natürlich nicht mithalten können. Die günstigen Preise werden von der Wirtschaft angenommen. Egal was damit geschehen ist: Das günstige Tantal ist das bessere und muss für die Hälfte der Elektronik in Autos, Mobiltelefonen und Laptops herhalten.

Durch Ausbeutung und illegale Zölle verdienen Warlords Millionen durch den Rohstoffhandel und der Rest der Welt giert nach mehr. Von dem Geld werden freilich weiter Munition und neue Waffen gekauft. Kaum eine Nachrichtenagentur berichtet noch regelmäßig von diesem Konflikt. Er ist Alltag geworden und kostet monatlich 45.000 Menschen das Leben. Fünfzehn mal so viele Opfer wie bei den Terroranschlägen des 11. September. Jeden einzelnen Monat. In China werden Arbeiter mit Überstunden bis zum Selbstmord konfrontiert. Michael C. Burda sagte neulich dem Tagesspiegel „Heute werden die Arbeiter ausgebeutet wie im Frühkapitalismus, jeder, der ein Apple iPhone besitzt, sollte sich schämen.“, womit er ohne Zweifel recht hat. Und schon bald nach dem Kauf werden die Geräte wieder ausgetauscht, oder wie Oliver Jungen es in der FAZ formuliert:

„Haben wir die gerade noch angebeteten Instrumente der Kommunikationselektronik nach kürzester Zeit wieder satt, landet ein großer Teil von ihnen auf riesigen afrikanischen Müllhalden, wo Kinder den Elektronikschrott nach Kupfer und Aluminium durchsuchen, bevor die Reste verbrannt werden und der giftige Qualm Menschen, Luft und Boden verseucht.“

(Quelle)

Man kann sich der Situation eigentlich kaum entziehen. Die Scham ist nicht begrenzt auf iPhones. Unsere Gesellschaft lebt auf einem Standard, der sich nur durch Ausbeutung in der Basis halten kann. Doch was haben wir an Alternativen? Es gibt nahezu keine Firmen, die sich wirklich für konfliktfreie Materialien entscheiden. Es gibt keine „Fair-Trade-Laptops“. Wir können uns an Organisationen wie dem EnoughProject widmen, die unter anderem für dieses Video im Stile der Mac-vs-PC-Werbungen verantwortlich sind.

Aber letztendlich kommen wir auf diesem Gebiet nicht auf einen grünen Zweig. Die Macht, die einige Menschen mithilfe des Kapitalismus in Ländern erreicht haben, die man leicht ausbeuten kann, ist nicht zu brechen.

Dieser Beitrag ist mit Blut geschrieben. Mit dem Blut vergewaltigter kongolesischer Mädchen. Und jeder andere Buchstabe des ganzen Internets auch. Wir wissen es alle. Und wir schauen zu und ändern nichts.

Quellen und Presseschau:
Tagesspiegel
FAZ
New York Times

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