Verfasst von: dora | Mai 21, 2010

Buchkritik, oder so: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Dieses Buch ist Teil meines neuen „Bücherregals“
Sieh dich dort doch mal ein wenig um!

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Eine simple Frage, die mensch eigentlich kaum bis gar nicht beantworten kann. Dieses Buch von Paul Watzlawick versucht auch gar nicht erst, eine endgültige Wahrheit zu finden, oder „Die Wirklichkeit“ zu offenbaren.

Es geht vielmehr darum, aufzuzeigen wie labil die eigene Wirklichkeit an scheinbar objektiven Maßstäben gemessen ist. Jeder war schon mal in der Lage, seine Wirklichkeit verteidigen zu müssen, weil das Gegenüber partout nicht die eigene Meinung annehmen wollte. Man hat für sich optimale Argumente, und nichts bringt einen von der vertretenen Meinung ab. Trotzdem beruhen alle Gedanken nur auf den eigenen Überlegungen, die der Gesprächspartner selten mitverfolgt hat. Jeder hat schließlich seine eigene Wirklichkeit. Und das kann manchmal ganz schön extrem werden, wie jeder Extremist zeigt. Sei er Politiker, der die aktuelle Lage nicht mit seinem Wirklichkeitsbild vereinen kann, und daher ignoriert, oder ein Selbstmordattentäter, der einfach nicht anerkennen kann, dass andere Menschen nicht an seinen Gott glauben.

Watzlawicks Buch ist in drei große Kapitel eingeteilt: „Information“, in dem er erst einmal beschreibt, was man verarbeitet, wenn man denkt oder redet, „Desinformation“ in welchem gezeigt wird, wie man getäuscht werden kann und wie das ganze mit Doppelagenten und Doppeldoppelagenten im kalten Krieg ins Extrem gebracht wurde, und zuletzt das größte Kapitel „Kommunikation“. Letzteres ist voll von Arten der Unterhaltung, weit über die menschlichen Grenzen hinaus. Von tanzenden Insekten, über uns ähnlich oder übersteigend intelligente Tiere bis hin zu potentiellen Ausserirdischen. Wie könnten wir mit ihnen in Kontakt treten? Was wäre die Sprache, die sicher beide verstehen? Letztlich sicher kann solch eine hypothetische Frage natürlich keiner beantworten, aber allein die Überlegungen, wie Menschenabhängig unsere Sprache letztlich ist, wird sehr spannend dargestellt.

Wenn es nach mir ginge, müsste jeder so früh wie möglich einmal dieses Buch lesen. Von Obrigkeitshörigkeit bis hin zu erwähntem Fanatismus kann vieles vermieden werden, wenn man seine eigene Wirklichkeit nicht als ultimo ratio ansieht. Auch wenn mancher denkt, er sei schon tolerant, wird er aus diesem Buch lernen. Nicht zuletzt aus der Fülle an Beispielen, die aus psychologischen Experimenten und Studien die Art und Abart des menschlichen Geistes vorführen. Wer Verwirrung erwartet, darf allerdings beruhigt werden. Insofern hält das Buch innen nicht mehr viel mit dem Titel gemein. Trotzdem nach wie vor: Unbedingt lesen!

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