Verfasst von: dora | April 26, 2010

Başarısız entegrasyon

Der Fall Aygül Özkan, der ersten Muslima in einem Ministeramt, macht die Runde. Die designierte niedersächsische Sozialministerin machte vorgestern den Vorschlag, religiöse Symbole aus Schulen zu entfernen und setzte sich für überreligiösen Ethikunterricht ein.

Was der allgemeine Medienstrom daraus machte, ist wiedermal ein Paradebeispiel für unseriösen Journalismus und redaktioneller Meinungsmache von allen Seiten.
Von Bild über den Tagesspiegel bis in die lokale Presse schallt es über Özkan „die erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland.“. Wozu dieses Attribut für die in Hamburg geborene Politikerin?
Ihre Eltern kommen beide aus der Türkei, aber sie als Hamburgerin ist nunmal nicht anders, als die „deutschstämmige“ Angela Merkel, ebenfalls aus Hamburg. Nun gut, sie ist die erste Muslima in einem deutschen Ministeramt. Lustigerweise ist sie auch noch Mitglied der CSU, was die religiösität bei ihr schon etwas schwammig erscheinen lässt.
Diese Frau erdreistet sich nun also dazu, trotz ihrer türkischen Eltern in Deutschland zu verkünden, dass man Integration nicht schaffen könne, indem man die Religion in einer Bildungsanstalt belässt. Mensch wie schlimm!
Noch dazu wurde die Aussage gegen Kruzifixe und Kopftücher und andere religiöse Symbole in allen mir vorliegenden Zeitungen auf „Muslimische Ministerin fordert Kreuzverbot“ (oder sinngemäß) verkürzt.

Ja. So fördert man Integration.

Noch dazu hat sie einfach recht. Die nebulösen „Christliche Werte“ sind uns per Gesetz vorgeschrieben. Die Kreuze sind nur eine letzte Bastion eines aussterbenden Glaubens. Staat und Kirche sollen getrennt sein und bleiben.
Warum dürfen Kinder ihre Religion nicht frei entwickeln, wie sie es auch mit ihrer politischen Meinung tun dürfen?

letmedecide

[Nachtrag:] Der Tagesspiegel macht munter weiter: In einer morgigen Print-Schlagzeile auf der Titelseite heißt es: „Özkan nimmt Kruzifix-Aussage zurück“. Weiter „Özkan habe in einem Gespräch akzeptiert, dass in Niedersachsen auch Kreuze in öffentlichen Gebäuden begrüßt würden“, daher habe sie „Forderungen nach einem Kruzifixverbot an Schulen entschuldigt“.
Funktioniert so etwa Politik? Nach dem Motto „Hey, du bist anderer Meinung als wir, also wirst du so lange gedisst, bis du dich anpasst, oder schnell wieder weg bist!“.
Es ist zum verzweifeln!

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Responses

  1. Hmmm. Im Wochenendteil der SZ ist ein Artikel drin gewesen, dass auch mal der Koch und die Merkel integriert werden sollten, also Integration keine einseitige Sache ist. Nachdem ich aber einen Absatz fünfmal gelesen und gleich wieder vergessen hatte, hab ichs aufgegeben, kann also den Inhalt nicht komplett wiedergeben.
    falls dich interessiert:http://www.sueddeutsche.de/politik/750/509877/text/

    • Integration ist keine Einbahnstraße.
      Integration verlangt nicht nur von den Neubürgern viel, sondern auch einiges von den Altbürgern

      Vollkommen richtig. Ich sehe aber Integration vor allem als erfolgreich an, wenn man nicht ständig auf den Unterschieden herumhackt und sich fragt „Wann sind die Türken endlich integriert?“
      So lange man „die anderen“ irgendwie bezeichnet, werden sie nicht integriert. Und das liegt nicht immer an „den Ausländern“ sondern meistens an uns respektive unseren Medien.

      Auch dieses Zitat ist für die meisten hier lebenden wohl zutreffend:

      „Wir Altbürger haben, als uns klar geworden ist, dass die meisten Einwanderer nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren, mehr oder weniger fordernd auf deren Integration gewartet und geglaubt, wir erbrächten unsere eigene Integrationsleistung schon damit, dass wir Dönerkebab essen.“

      Meiner Ansicht nach ist Integration also etwas sehr willkommenes aber über die Theorie geht nichts hinaus. Ein bisschen wie der Döner und Pizza essende Rassist, nur nicht ganz so schlimm 😉


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