Verfasst von: dora | März 9, 2010

Bildungslücken.

Deutschland hat ein Problem mit der Bildung. Das steht seit Jahren fest, als man von Anfang an in den PISA-Studien nicht die erwarteten Plätze erreichte. Seit dieser Zeit wird verstärkt reformiert und herum geschustert was das Zeug hält, und viele Politikerkarrieren starteten und endeten wegen der Bildungssituation eines Landes.
Auch wenn es noch mit aussagelosen Studien verfochten wird, ist jedem Schüler im System schon lange klar, dass die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre keine Verbesserung bringt. Die Schüler selbst sind zwar schneller fertig, allerdings auch seelisch. Einer der Fehler war vermutlich die Neuanordnung der Fächer, die gleichzeitig mit der Verkürzung stattfand. Man wird jetzt nur noch sehr schwer herausfinden können, ob den Schülern nur die Zeit nicht reicht, oder ob es an den seltsamen neuen Fächerkombinationen liegt. „Natur und Technik“ zum Beispiel ist genau das, was Gymnasium nie sein wollte. Allgemein. PBC für Physik, Biologie und Chemie gibt es schon lange in Hauptschulen. Ein schneller Überblick über die ganze Welt, von der natürlich fast nichts hängen bleiben wird. Warum führt man diesen Stil jetzt in Gymnasien ein? Als Vorbereitung für die zukünftige Spezialisierung? Ich glaube kaum, dass das hilft. Erstens bleibt ob der Zeit nichts hängen, zweitens erledigen die Fächer die Einführung selbst, und drittens ist für die Aufspaltung in „zuerst allgemein und später speziell“ überhaupt keine Zeit mehr. Das alte G9 war keineswegs perfekt, jedoch hatte man eine klare seit jeher da gewesene funktionierende Struktur, auf die Verlass war. Nichts gegen Veränderung. Aber sehr wohl gegen Testläufe von Ideen, die an allen Schulen Bayerns durchgeführt werden und bei der alle (!) zusehen müssen, wie die Idee nicht funktioniert.

Das zweite große Problem der Bildung in Deutschland ist die mangelnde Lehrerausbildung. Neben den wenigen wirklich an der Pädagogik interessieren Studenten, die auf Lehramt studieren gibt es leider noch die Orientierungslosen und die Fachgebundenen. Leute die auf ihre Fachkombi, die vermutlich noch im Leistungskurs belegt war, absolut spezialisiert sind und sich im Leben nichts anderes mehr vorstellen können und auf der anderen Seite die Schüler, die nach dem Abitur keine Ahnung von der Zukunft haben und auf Geratewohl ebenfalls ihre Leistungskurse auf Lehramt studieren. Beide haben in der Regel relativ wenig Motivation für die Pädagogik und sehen sie im Studium erst mal als Last. Später kommt noch dazu, dass es in dieser Gruppe nur in glücklichen Fällen zu tollen lehrfähigen Lehrern kommt. Der Rest ist das, was jeder aus seiner Schulzeit kennt. Nach zwanzig Jahren Lehramt sind die Menschen ausgezehrt, lustlos und arbeiten endlos langsam auf die Rente zu. Die Schüler können noch glücklich sein, wenn nicht noch Frust aufkommt, der an Schülern ausgelassen wird.
Was kann man aber dagegen tun? Skandinavien bietet (wie fast immer in diesen Fragen) eine tolle Lösung, die man verkürzt als „Aussortierung“ bezeichnen könnte. Jeder Lehramtskandidat wird mehrfach in persönlichen Gesprächen ob seiner Lehrfähigkeit geprüft und die Motivation im pädagogischen Bereich spielt eine wesentlich größere Rolle als hierzulande. Liegt doch der Pädagogik-Anteil im Studium bei 20%, so ist es in Finnland schon die Hälfte. Dass man das an den Ergebnissen merkt und sich das über die gut ausgebildeten Schüler zuletzt auch in PISA-Studien niederschlägt ist klar. Wie aber setzt man so eine Regelung in einem Land wie Deutschland durch? Wir haben jetzt schon Lehrermangel in den meisten Fächern. Enormen Überschuss in einigen wenigen Fächern. Umsortieren kann man das schlecht bis gar nicht und aussortieren hätte zur Folge, dass es kaum noch Lehrer gibt. Angeblich sortieren die Bildungssysteme der skandinavischen Länder von 1000 Lehramtskandidaten 850 aus. 150 Studenten können überhaupt noch Lehrer werden. Und davon wird dann im Laufe des Studiums (nur) noch 1% aussortiert. Eigentlich eine tolle Sache, die qualitativ sicher hält, was sie verspricht. Nur hier undurchführbar.

Abschließend stelle ich mir dann schon die Frage, warum so vergleichsweise wenige Schüler eigentlich aus pädagogischen Gründen Lehrer werden wollen? Menschenscheu sind die wenigsten.
Vermutlich wurden nur alle vom schon existierenden System abgeschreckt. Wer will schon der frustrierte Lehrer vor einer unruhigen Klasse sein? Eben.
Wir bräuchten also mit diesem Lösungsansatz bessere Lehrer um bessere Lehrer zu bekommen. Da bin ich ja mal gespannt, welcher Kultusminister das auf die Reihe bekommt.

Bis dahin weiterhin viel Spaß mit Schülerexperimenten. Sagt mir Bescheid, wenn es funktioniert.

(Quelle für die skandinavischen Zahlen: Ludwig Haas für die Aussenansicht der MZ)

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