Verfasst von: dora | Februar 23, 2010

For the win (and the whales)!

Sprachlosigkeit.
Einen ganzen Tag lang hatte ich das Drängen diesen Post zu schreiben, aber habe kein Wort auf den Bildschirm gebracht. Jetzt ein Versuch.

Es gibt viele Katastrophen, Missstände und Tätigkeiten, bei denen Hilfe so dringend nötig wäre, jedoch fast nichts passiert und passieren soll.
Glücklicherweise gibt es viele Menschen (wenn auch erheblich zu wenig), die sich für einzelne Dinge unglaublich stark engagieren. ‚Der Aktivist‘ hat den meisten Leuten eine Sache voraus. Er hat Informationen, die der im Alltag versunkene Bürger nicht hat. Informationen, die so schwer auf die Seele drücken, dass Aktivismus entsteht.
Manchmal gibt es Momente, in denen spürt man selbst wieder eine Kraft aufkommen. Die Alltagsresignation weicht einem Funken Hoffnung und irgendwie und irgendwo kann man ja vielleicht doch was erreichen.
Die letzte Woche war vielleicht der Beginn einer solchen Phase bei mir.

Es begann mit dem erst einmal trivial erscheinenden Filmerlebnis Avatar. Dieser Film, der grob vom Menschen handelt, der auf einem fremden (exosolaren) Planeten einen aus irgendwelchen Gründen unglaublich wertvollen Rohstoff findet und dort auf Söldnerbasis alles davon abbauen will, was nur irgendwie geht. Abgesehen von den vielen Spielfilmdetails und Nebenstorys kann man aber deutlich zwei Gruppen an Menschen erkennen und eine dritte Gruppe der menschenähnlichen Ausserirdischen die ebenso einer Gruppe Menschen auf der Erde entsprechen. Die Ausserirdischen sind in Avatar ein Naturvolk, dass eng verbunden mit dem Wald lebt. Natürlich halten sie wenig von der Zerstörung ihres Waldes, nur des Rohstoffes wegen. Dann gibt es die Biologen und ähnliche Naturwissenschaftler, die diesen ’neuen‘ Planeten als hervorragende Forschungsinsel sehen und alles über ihn lernen wollen. Auch sie haben wenig Interesse an Ausbeutung und Ausrottung dieses Ökosystems. Die dritte Gruppe sind die Financiers dieses Ausflugs. Ein hochtechnisiertes moralfreies Söldnerheer. Frei von jeder Obrigkeit und Geld wie Heu. Natürlich geht für letztere das erbrachte Geld über alles andere. Egal wie der Planet danach aussieht, Hauptsache wir haben unseren Gewinn daraus gemacht.
Nunja. Ein Film.
Irgendwie habe ich aber den restlichen Abend nur noch damit verbracht, in Avatar den Menschen in seinen Facetten zu sehen. Da gibt es die ‚Ökos‘, die einfach umweltbewusst sind und von Natur aus Flora und Fauna achten. Desweiteren gibt es die Wissenschaftler, die bemerken, dass der Mensch misswirtschaftet und selbige zur Umkehr aufrufen. Und zuletzt gibt es die, die weder Interesse an Verantwortung gegenüber der Natur, noch an offensichtlichen wissenschaftlichen Argumenten haben. Für letztere zählt ein hoher Profit und vor allem Wachstum für immer (was sowieso ein Ding der Unmöglichkeit ist, aber das kann man ‚denen‘ ja nicht sagen).

Sowas kommt vor. Ein gewisses Gefühl hat man ja nach fast jedem Film.
Zu allem Glück bekam ich aber dann noch am selben Abend das aktuelle Monatsheft von Greenpeace in die Hand.
In diesem stand (in meiner Meinung nach etwas zu extremistischer Sprache, aber vermutlich muss man das heute so tun, wenn man gehört werden will) einiges, was an jenem Abend bei mir auf sehr guten Nährboden fiel. Von Atomkraft-Lobbyismus über Gentechnik in Lebensmitteln bis hin zu den dreisten Blockaden Chinas auf den Klimagipfel in Kopenhagen (schon vor knapp zwei Monaten auf hirnrauschen).
Es wurde irgendein Schalter umgelegt, der mich aus der Resignation holte. Dieser stundenlange offensichtliche Blick auf diese kaputte Welt und diesen völlig irrationalen von Geld und Macht getriebenen Menschen (Und ja, ich nehme keinen aus. Auch nicht mich selbst.) haben kein Eingraben in ein tiefes Erdloch bewirkt, sondern den tiefen Drang, Teil einer Veränderung zu werden.

Dann der letzte Teil dieser Reise. Durch eine gute Freundin wurde ich auf den Film „The Cove – Die Bucht“ aufmerksam gemacht. Hier dier Trailer:

(Youtube-Direktlink)

Schon mehrfach ausgezeichnet hat dieser Film vermutlich schon einige Medienaufmerksamkeit genossen. An mir ist diese Dokumentation jedoch völlig vorübergegangen. Bis heute.
Einige Leute aus verschiedenen Ländern, unter anderem einer der Darsteller in der Fernsehserie „Flipper“, behandeln in diesem Film die Abschlachtung von Delfinen in Japan. In dem ehemaligen Walfangdorf Taiji in der Präfektur Wakayama werden seit Jahren tausende Delfine in eine Bucht getrieben und dort aussortiert. Einigen wenigen ‚passend‘ aussehenden steht ein Schicksal als Spielfigur in Delfinarien bevor, der mehrere tausend Delfine umfassende Rest wird abgeschlachtet und als ‚Walfleisch‘ gekennzeichnet verkauft.
Jetzt kann man gerne für die Traditionen Japans sprechen und mir vorwerfen, ich würde europäisches Gedankengut in andere Kulturen einflößen wollen. Was ist aber mit Nachhaltigkeit? Was ist mit falsch gekennzeichneten hochbelasteten Lebensmitteln? Sollte das wirklich nur ‚dem Westen‘ vorbehalten sein? Will der gemeine Japaner in 40 Jahren keinen Fisch mehr essen und bis dahin noch anständig viele toxische Stoffe aufnehmen? Ich glaube ja nicht.
In besagter Bucht bei Taiji werden jährlich (!) unglaubliche 23 000 Delfine (!) getötet.
Durch die starke Industrie an Japans Küste und die lange Unkenntnis über giftige Stoffe, wurden dort wie wohl fast überall auf der Erde die Meere und Flüsse stark belastet.
Der Grenzwert in Lebensmitteln für Quecksilber liegt (in Japan?) bei 0,4 ppm. Delfinfleisch enthält vor der Küste Japan 200 ppm. Zweihundert! das überschreitet den nicht vom Himmel gefallenen Grenzwert um das fünftausendfache! Kann man sich noch vorstellen, dass diese Leute das wissen und trotzdem weitermachen? Ich nicht. Aber offensichtlich geschieht genau das.
Ein einziger Delfin, an ein Delfinarium irgendwo auf der Welt verkauft, bringt den Fischern dort 120 000€. Logisch, dass sich Leute finden die mit ein wenig Aufwand den großen Reibach machen. Viele muss man dazu ja nicht verkaufen. Das ganze Jahr ist mit einem Monat Delfinfang finanziert, was ohne Frage aufs Erste verlockend ist.
Wenn man allerdings die Bilder von „The Cove“ sieht, fragt man sich, wie diese Menschen ticken müssen, um erstens so ein Massaker anrichten zu können, und dann auch noch von Staat und Polizei gefördert werden. Was dort geschieht ist abartig im höchsten Maße. Trotzdem und vielleicht genau aus diesem Grund empfehle ich jedem diesen Film auch zu sehen (Hab ihn zu Hause. Verleih jederzeit und gerne möglich.). Helfen kann man in diesem speziellen Fall aber auch einfach so. Und zwar hier.

Zusammenfassend habe ich irgendwie eines begriffen, was mir lange nicht so klar war, wie jetzt:
Man kann einen nach Geld strebenden Menschen, der offensichtlich irrational handelt nicht überreden. Man kann einen Menschen grundsätzlich nicht wesentlich verändern.
Aber man kann die Umgebung verändern, in denen sich die Menschheit aufhält. Man kann durch Anreize jedweder Art ein Land oder sogar eine Welt schaffen, in der sich die Menschen von sich aus rational verhalten, auch wenn ihnen das nicht bewusst ist (und wenn man mal um sich schaut, geschieht das ja auch aus allen Ecken. Steuerpolitik und Nahrungsmittelwerbung sind wohl die offensichtlichsten Beispiele.
Man kann also den Menschen scheinbar nicht davon abhalten, viel Energie zu verbrauchen. Die Vorteile und psychischen Reize sind einfach zu groß. Ein erster Versuch, dass zu mindern sind zum Beispiel die Ökosteuer, oder (sicherlich auch irgendwo kontrollierte) künstlich hoch gehaltene Strompreise. Da diese Versuche allerdings Großteils gescheitert sind, braucht man neue Ansätze. Und das nicht nur für die Energiepolitik.

Diese Welt braucht ein Bündnis aus Psychologen, Wissenschaftlern/Ingenieuren und Künstlern, die eine Umgebung schaffen, in denen es Spaß macht die Welt zu schonen. Ob durch den Anreiz des Geldes oder durch direktes Ansprechen des Gewissens, wir brauchen neue Methoden um gute Ideen in die Masse der Bevölkerung zu bringen!
Nur als kleines Beispiel: Es gibt anscheinend wirklich ein Auto, in dem neben Geschwindigkeit, Drehzahl und anderen üblichen Anzeigen ein kleines Bild einer Pflanze zu sehen ist. Diese Pflanze wächst und gedeiht umso sparsamer man fährt und verdörrt zusehends bei unökologischer Fahrweise. Es hat sich gezeigt, dass dieses kleine Bild auf fast alle Fahrer eine (positive) Auswirkung hatte.
Zu diesem Thema ist der teilweise sehr beängstigende aber dann doch wieder wahnsinnig gute Vortrag von Carnegie Mellon zu Empfehlen, der auf der Spielemesse DICE 2010 über die Zukunft von Computerspielen und dann über genau das Thema referiert. Psychologie, und deren Anforderungen in der Zukunft, dem Menschen zu helfen, wo er sich selbst nicht mehr helfen kann (Videolink).

Wir sind gerade auf der Stufe von einer Typ0-Zivilisation hin zu einer Typ1-Zivilisation. Große Probleme stehen vor uns, und die Menschheit steht über kurz oder lang vor der Entscheidung, sich selbst zu vernichten, oder die Umkehr zu schaffen. Auch dazu ein kurzes sehr empfehlenswertes Video, welches für Heute das letzte sein soll:

(Youtube-Direktlink)

Zu guter Letzt: Es gibt so viel, dass man auf dieser Welt beitragen kann, um einen besseren Planeten zu hinterlassen, als den, auf dem man geboren wurde. Tut euer bestes, engagiert euch, wo ihr könnt und seid kreativ! Ich übernehme den Technik-Teil. Ich brauche nur noch einen Künstler und einen Psychologen im Team und dann verbessern wir diese ganze Kacke hier, ok? Gut. Dann bis morgen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: