Verfasst von: dora | Februar 8, 2010

Globulisierung!

„Gibt es ein homöopathisches Mittel gegen die Angst vor Zuckerkügelchen?“

Zu allererst: Ich habe nichts gegen neue, fremd anmutende Dinge. Es ist nichts dagegen einzuwenden, den Naturwissenschaften und dem alten Wissen zu misstrauen (moderne Wissenschaft zu betreiben heißt auch, genau das zu tun). Generell kann man auch nichts dagegen einwenden, sich Theorien auszudenken die wahnwitzig sind und erstmal keinerlei beobachtbare Basis besitzen.

Allerdings habe ich etwas gegen Betrug, Verleumdung und gezielte Falschinformation, der Füllung weniger Geldbeutel wegen.

Die Kontroverse über mein heutiges Paradebeispiel Homöopathie ist lange und durchhaltend.
Jahr für Jahr entstehen neue Studien über die Wirkungslosigkeit diverser Alternativheilmittel. Mindestens genauso oft werden Studien veröffentlicht, die eigentlich gar nicht so genannt werden sollten. Egal wie man es schminkt: Über die Wirksamkeit von Placebos kommt keines der ‚Medikamente‘ hinaus. Allein durch das Gefühl, dass einem geholfen wird, sind die Verläufe einer Krankheit oftmals schon gelindert. Die alten Argumente sind beliebig oft wiederholbar: „Was hilft, ist gut.“ oder „Bei mir/meiner Bekannten/meinem Kind hat es geholfen, also wirkt es.“ wird nicht stichhaltiger, wenn man es häufiger ausspricht. Wenn ein verständlicherweise nicht so gekennzeichneter Stoff in der Schulmedizin (ich mag diesen Begriff gar nicht, aber er dient gut zur Abgrenzung) als Placebo erkannt wird, werden regelmäßig große Skandale daraus gemacht. Wenn mir aber jemand Quecksilber als Heilmittel verkaufen will, dann wird das im schlimmsten Fall noch als ‚Naturheilmittel‘ angepriesen.
Placebos sind in aller Regel billig in Herstellung und Vertrieb. Forschung hat kaum stattgefunden und es lässt sich nicht wenig damit anstellen. Keine schlechte Investition also.
Ebenso viel und auch nicht mehr kann die sogenannte Homöopathie. Jedoch was Heilpraktiker und Hersteller von Globuli verlangen ist jenseits des Ertragbaren. Ich kann nicht glauben, dass die gesamte Pseudupharma-Industrie an die Prämissen dieser Heilpraktiken glaubt und sich auch ernsthaft von gefälschten und geschönten Studien täuschen lässt.
Homöopathie ist das Spiel mit den Gefühlen eines Menschen für viel Geld. Für mich nichts anderes als Betrug.

Neuste Meldung: Von den 184 Krankenkassen in Deutschland bieten 114 (ein beachtlicher Anteil) auch finanzielle Unterstützung bei Homöopathie. Ebenso erhöht ein nicht geringer Anteil der Krankenkassen in nähester Zukunft die Beiträge teilweise drastisch.
Meine eigene Krankenkasse zahlt mir nichts dazu, wenn ich homöpatische Medikamente will. Und sie gehört auch zu denen, die ihre Beiträge jetzt nicht erhöhen.
Ich bin weit davon entfernt, da jetzt einen generellen kausalen Zusammenhang zu sehen. Dazu habe ich zu wenige Krankenkassen überprüft und es ist auch unwahrscheinlich. Jedoch sieht man doch deutlich schon bei wenigen Beispielen, dass Krankenkassen die viel verlangen auch gerne dazu neigen, ‚alternative‘ und vor allem sinnlose Behandlungen zu unterstützen.
Wie unverschämt ich das halte, obwohl ich davon in diesem konkreten Fall nicht betroffen bin, ist spätestens jetzt wohl klar. Mir bleibt beim Thema Krankenkasse nichts anderes als das Handelsblatt zu zitieren:

Also müssen Leistungen gestrichen werden. Sparen könnte man etwa, wenn nur die genaue Anzahl von Pillen verschrieben würde und nicht mehr ganze Packungen. Zweitens: Abschaffung der Bezahlung homöopathischen Unsinns. Man konnte wissenschaftlich bisher keine Wirkung durch Homöopathie nachweisen. Ergo gehört sie als Leistung der Krankenkassen abgeschafft. Jeder soll an diesen Unsinn glauben dürfen, aber bitte privat dafür bezahlen.

Axel Meyer (Handelsblatt)

Was immer auch helfen mag, weil man sich mehr um den Menschen kümmert und nicht nach Aussen gewinnorientiert ist (was Pharmakonzerne wohl generell sind, und was ich trotz allem auch nicht beschönigen will) hat seine Daseinsberechtigung. Die Medizin auf die der normale Arzt heute zugreift ist hochtechnisiert und sehr gut ausgerüstet. Allein wegen der vielmals mangelnden sozialen Kompetenz mancher Ärzte auf diese Medizin verzichten zu wollen, oder sie gar als böse und sogar krankheitsfördernd zu bezeichnen ist Schwachsinn. Nebenbei aber auch gute Geldquelle. Daher werden Menschen, die den Zusammenhang von HIV mit AIDS in einem Land wie Südafrika bestreiten und Vitaminpillen anbieten, genauso niemals aussterben wie alternative Heilpraktiker, die mit Wasser und Zucker den Schnupfen heilen, der ohne selbiges auch zur selben Zeit verschwunden wäre.

Haltet mich für den unumsichtigen Naturalisten, der nur an die heilige Wissenschaft glaubt. Von mir aus. Aber warum glaubt ihr dann an Dinge, die man nur noch glauben kann, wenn man die wissenschaftlichen Berichte vorsätzlich fälscht (was zur Genüge passiert) oder mit einem Verhalten das zu Schamanismus und Aberglaube keinen Unterschied mehr hat.

Jeder der mir heute weismachen will, dass die beliebige Krankheit oder Fehlbildung niemals wegging, bis man zur Homöopathie griff, mag von seiner Meinung schwer überzeugt sein, was ich auch verstehe. Aber jeder der mir weismachen will, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Einnahme reinem Zuckers und der erzielten Wirkung besteht, der ist zu wenig über Details informiert.

Da ich weiß, dass auch einige hier mitlesen werden, die sich gerne dieser Praktiken bedienen, freue ich mich mehr denn je über Kommentare. Ich werde prinzipiell nicht versuchen ein „Bei mir hilft es“-Agument zu entkräften. Aber ich kann nur immer wiederholen, dass Wasser sich nichts merken kann und purer Zucker keinen Behandlungsvorteil ergibt. Definitiv.

(Falls sich jemand weitergehend interessiert und keine eventuell ausführlichen und langen Studien lesen will, dem empfehle ich sehr das Buch „Die Wissenschaftslüge„. Natürlich hab ich es auch gelesen und daher verleihe ich es auch gerne, wenn sich jemand dafür interessieren sollte. Aber auch ansonsten ist es sehr preiswert und trotzdem jeden Cent wert.)

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Responses

  1. Yeah! Genauso wie du hab ich auch mal argumentiert! Und wahrscheinlich bis zu meinem 18. Lebensjahr (fließende Grenze) war mein Vertrauen in Schulmedizin unerschütterlich. Jetzt hab ich eine Freundin, die auf alternative Heilmethoden steht, wir haben schon desöfteren diskutiert. Ich nehm jetzt mal ne Gegenposition zu dir ein! 😉

    Zu Homöopathie:
    Das Image macht die Wirkung!
    Ich persönlich glaube nicht an Globuli. Ich nehme manchmal welche zum Spaß. Aber meine Freundin nimmt sie, weil es ihr ein gutes Gefühl gibt. Ihr ist sehr wohl klar, dass das auch alles großer Humbug sein kann, und nur der Placebo-Effekt ihr bisher geholfen hat. Du schreibst die Homöopathie könne „ebenso viel und auch nicht mehr“, aber ich finde das IST bereits sehr viel. Teuer mag das Zeug sein (ich weiß es nicht), aber der Placebo-Effekt wirkt seiner Natur nach besser, je mehr man an etwas glaubt. – Homöopathie ist bekannt, verbreitet, es hat bereits ein wahnsinnig starkes Image bei vielen, es gibt dutzende Bücher darüber, und genauso viele praktizierende Ärzte.
    => Da lässt sich gut daran glauben.
    Und sowas muss erst mal geschaffen werden!

    Bezogen auf Krankenkassen fällt mir noch was Anderes ein: Es gibt auch ganz andere alternative Heilmethoden, die kosten fast nichts. Japanisches Heilströmen, Alexandertechnik, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Hydrotherapie, Fasten, Meditation usw. Man kauft sich einmal ein Buch/belegt einen Kurs, und schon hat man für viele Krankheiten eine ’schlaue‘ (wirklich oder placebo- wirksame) Therapie, für die man nicht mal zum Arzt gehen muss. Im Besten Fall erspart man so dem Gesundheitssystem alle Kosten, im schlechtesten, naja, funktionieren die alternativen Methoden nicht und sie gehen eben irgendwann ganz normal zum Arzt.

    Ganz im Gegensatz zu z.B. dem von dir benannten Dosierungsproblem. Mein Mitbewohner hatte irgendwelche xxx-Kokken am Mund. Er ist zum Dermatologen, der hat ihm ne Salbe verschrieben. Anwendung: hauchdünn 3 mal träglich auftragen, überschüssige Reste mit Wattetupfer entfernen.
    Nach einer Woche war er gesund. Die 30g Tube hatte geschätzt noch 27g Inhalt. Kein Kommentar.

    Ich persönlich hab meine Lösung gefunden. Mein Arzt des Vertrauens ist ein mitteljunger, studierter Allgemeinarzt mit Zusatzausbildung Naturheilverfahren. Er ist kein Alternativ-Guru, neulich hatte ich ne (böse!) Mandelentzündung, sein Kommentar sinngemäß: „Also wer hier keine Antibiotika nimmt tut sich selbst keinen Gefallen!“
    Ich bin mir aber sicher(!), wenn ich mit Husten zu ihm käme, würde er mir sagen ich soll n heißes Bad nehmen und ordentlich Kamillentee trinken, anstatt mir ne Familienpackung Systemantibiotika zu verschreiben. 😉

    Also meine Meinung:
    1. Man sollte der Erfahrung ne Chance geben!
    2. Beide Extreme sind nicht perfekt,
    der Mittelweg gewinnt.

    Gruß, Jonas

    PS: Was ich im Web gefunden hab:
    http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/alternative-heilmethoden/

  2. Noch was! 😉

    Hab grade auf obigem Link gelesen:
    „…Je nach Einsatzgebiet liegt der Placeboeffekt einer Behandlung zwischen 20 und 70 Prozent…“ (auch bei Schulmedizin)
    „Zum Placeboeffekt gehört aber mehr als ein Scheinmedikament. Ein wichtiges Element ist die Art der Behandlung, das „Arrangement“. Der Arzt, der das Vertrauen des Patienten gewinnt und die Überzeugung ausstrahlt, dass seine Behandlung greifen wird, verstärkt die Wirkung der Therapie. Eindrucksvolle Geräte, komplizierte Dosierungspläne und schwierige Verhaltensanweisungen können die Hoffnung des Patienten stärken, sein Engagement herausfordern und seinen Willen, das Übel zu überwinden, stärken.“

    Wahrscheinlich ist DEIN Placeboeffekt eben heiß auf die ganzen technischen Spielereien, wissenschaftlichen Errungeschaften und Studien.. 😉
    Dann macht für dich natürlich alternative Heilmedizin keinen Sinn.

    • In der Tat basiert auch bei mittelschweren Verletzungen, bei denen man schon mal ein paar Tage im Krankenhaus liegt die Behandlung zu nicht geringen Teilen auf Placebos. Es werden Zuckerpillen in „wirksamen“ Farben (es gibt herrliche Studien dazu) verabreicht oder auch mal eine Salzlösung als tolles Medikament bezeichnet und infusioniert. Allein dadurch, dass dem Patienten eine Infusion gelegt wird, hat er das Gefühl, dass ihm geholfen wird und die Lage bessert sich. Placebos sind wichtig. Ohne Frage.

      Und falls du mich so verstanden hast, dass ich beim kleinsten Schnupfen schon Antibiotika vorschlagen würde, weil sie medizinisch abgesichtert wirksam sind, dann ist das falsch. Ich bin selber eher einer, der fast nichts nimmt und selten zum Arzt rennt. Geringe Übel gehen von selbst wieder weg, wenn man auf sich aufpasst (wozu auch das heiße Bad gehört) und größere Übel sind ’schulmedizinisch‘ gut behandelbar.

      Ich sehe nach wie vor keinen Sinn im Aberglauben. Wie du schon sagst können Homöopathen (die ich noch lange nicht in einen Topf mit Naturheilpraktikern werfen würde. Von Naturheilkunde ist ein Großteil der Homöopathie meilenweit weg) auf eine gute Werbetrommel zurückgreifen. Das Schulmedizin-Bashing geht munter weiter und das „Wir kümmern uns wirklich um sie“-Denken ist das, was den meisten bei einem normalen Arzt fehlt. Aber macht das irgendwas besser?
      Ich meine, krasses Beispiel, aber mit den selben Argumenten könntest du auch die Albinoverfolgung in Schwarzafrika verteidigen.
      Nur weil es aufgrund der guten medialen Basis und dem Unwissen der meisten Journalisten eine gute Grundlage für den Placeboeffekt bietet, macht es den offensichtlichen Betrug nicht besser.

      „1. Man sollte der Erfahrung ne Chance geben!“
      Habe ich hinter mir. Aber wie eigentlich auch zu erwarten, funktioniert Placebo nicht, wenn man nicht dran glaubt.

      „2. Beide Extreme [sic!] sind nicht perfekt, der Mittelweg gewinnt.“
      Wenn du mit dem schulmedizinischen Extremum die stetige Einnahme von diversen Antibiotika meinst, dann sind wir ja schon auseinander.
      Es gibt leider nicht nur zwei Extrema, weil so unzählbar viele Behandlungsmethoden existieren. Die funktionierenden setzen sich von selbst durch. Die gut finanzierten auch. Entscheiden soll jeder selbst. Nur zuschauen kann ich eben nicht immer. Bei Homöopathie mit am wenigsten. Nur Ohrkerzen sind schlimmer. 😉

    • http://www.duden.de/definition/extrem

  3. Zwischen Albinos und Globuli gibt es nur einen markanten Unterschied: Globuli essen tut keinem weh. („dem Geldbeutel“ ja klar, aber du weißt was ich mein)

  4. Doch. Mir tuts in der Seele weh.
    Denkst du nicht, dass man wenigstens gegen die ausnutzende Vorgehensweise viel tun sollte? Machen wir weiter bei Astrologie, Spezial-Vitaminpillen, … Alles nur gewisse Arten von Verschwörungstheorien. Und sowas tut keinem langfristig gut.

    Aber hey: Ich hab gerade erfahren, meine letzte Klausur bestanden zu haben. Ich werde vermutlich am Wochenende heimkommen. Setzen wir uns mal zusammen? 😉

  5. Natürlich könnten wir auch Astrologie und sonstigen Magie-Schwachsinn da mit reinbringen, aber da wird ja nicht das Produkt „Besserung“ angeboten. Das ist dann wirklich Heuchelei.

    Bei Homöopathie HAST du aber ganz einfach diesen „Besserungs“-Effekt (wenn du überzeugt bist). Und wenn man, wenn ich das richtig verstanden habe, auch in der Schulmedizin mit Placebos arbeitet, liegen die Beiden garnicht so weit auseinander.
    Dabei muss man im Hinterkopf behalten: Homöopathie ist kein Allheilmittel, meine Freundin würde nie auf die Idee kommen bei nem Armbruch Globuli zu nehmen anstatt ne Klinik aufzusuchen. Grade aber bei den Krankheiten bei denen die „Heilung“ eh hauptsächlich dadrin besteht die Symptome abzuschwächen (z.B. Erkältung), kommt der Placebo-Effekt doch genau richtig (mal angenommen homöopathische Arzneien haben ansonsten wirklich keine Wirkung).
    Zweifel darf man haben, aber die Verteufelung finde ich nicht gerechtfertigt. Wem es hilft, soll es doch machen!

    Etwas gleichgültiger wird für mich die Debatte auch, wenn man sich mal klar macht, dass die Schulmedizin ja ebenso weit weg ist von 100%igen Heilungschancen. Grade eben hab ich als ich kurz wegen Erkältung nachgeschaut hab (aus glaubwürdiger Quelle: http://www.onmeda.de/ueber_uns.html) das gefunden:
    „Früher wurden bei Erkältungskrankheiten gerne Antibiotika verabreicht. Heute weiß man: Bei akuten Atemwegsinfektionen helfen sie nur bedingt oder gar nicht.“
    Wer weiß wie viele Möchtegern-Heilmittel noch auf dem Schulmedizin-Markt dümpeln. Soweit ich weiß wird ein Medikament dann als „wirksam“ eingestuft wenn sich bei mehr als irgendwas mit 60% der Propanden im Vergleich zur Placebo-Gruppe Besserung ergeben hat. Zum einen finde ich ist das eine sehr schwammige Erhebungsmethode, desweiteren sind 60% auch nicht gerade viel.
    Der Preis dafür ist aber dann, dass ich meinen Körper mit Chemie-Gemischen vollpumpe, und JA, Schulmediziner stehen auf Antibiotika. Und dass sie regelmäßig viel zu viel verschreiben haben ja die Medien auch schon teilweise bemerkt.
    Die Probleme mit Resistenzen bei Antibiotikagabe häufen sich, und jetzt gibts ja auch schon seit längerem gefürchtete Krankenhausbakterien, die sich nicht mehr wegdesinfizieren lassen weil die auch gegen alles resistent sind. Da kam man auch nur hin weil man jetzt gegen alles schöne Wunderpillen hatte, und dachte damit sei die Sache für immer vergessen. Gesunde Lebensweise? Ach wo! Ham ja lustige Pillen. Der Onkel Doktor reparierts schon.
    Sämtliche alternative Heilmethoden dagegen haben irgendwas zu tun mit Bewusstsein entwickeln für eigenen Körper und bla, und der Ansatz ist grundsätzlich mal sicher nicht verkehrt.

    Nein, ich bleib beim Mittelweg! 🙂

    Und hey: Glückwunsch zu Klausur!
    Ich hab leider noch zwei zu schreiben und komm frühestens erst das Wochenende drauf heim, wenn du aber da wärst würd ich nicht nein sagen! 😉

  6. Hey,
    ohne Stellung beziehen zu wollen: Du sprichst die ganze Zeit davon, dass man die Wirkung nicht nachweisen kann. Mal abgesehen von den tatsächlichen Fälschungen/Placebos, die wirklich _nur_ zur Geldmache auf den Markt geworfen werden: Schon mal drüber nachgedacht, dass, nur weil man was nicht nachweisen kann, es nicht unbedingt nicht vorhanden sein muss? Gerade du solltest doch sowas wissen 😉

    Der psychologische Effekt ist da. Das ist dir ja auch klar. Ich schätze mal darum gehts. Und ohne (wie gesagt) das eine in den Himmel loben zu wollen oder das andre niedermachen zu wollen, kann es doch wohl sein, dass es ne Wirkung gibt, die man einfach noch nicht nachweisen kann.

    Wie gesagt. Nur als Denkanstoß …

    PS: Sobald ich zurück in Rgbg bin, rühr ich mich!

    Konsti

    • Bei vielem hast du sicherlich recht. Allerdings bei Homöopathie ist das ganze recht drastisch zum Hokuspokus verkommen.
      Die sogenannte „Potenzierung“, was nichts anderes heißt als Verdünnung wird bei vielen Mitteln übertrieben, bei einigen sogar ins unmöglich wirksame getrieben. Ganz nach dem Grundsatz „Je potenzierter der Wirkstoff, desto besser die „Wirkung“, die alleine schon aus den Fingern gesaugt ist gibt es einige Wässerchen, bei denen so lange verdünnt wird, bis theoretisch nicht mal mehr ein einziges (!) Molekül des Wirkstoffs auf die unzähligen Wasseratome kommt. Bis man das nicht wusste, war das ja ganz akzeptabel. Heute redet man sich dann mit so Geschichten wie „Das Wasser kann sich den Stoff merken“ heraus, was ich ebenso als völligen Unsinn sehe. Wenn sich Wasser wirklich Dinge „merken“ könnte, dann wären mehr als nur der eine Wirkstoff drin. Nach über 200 Jahren Homöopathie wäre wohl in jedem Wassertropfen schon jeder Wirkstoff, was die ganze Sache absurd macht. (Nicht vorzustellen welche ekelhaften Dinge sich das Wasser noch gemerkt hat…)
      Wassermoleküle sind die mit am besten erforschten Dinge überhaupt. Es gibt hier sicher keine Geheimnisse und nicht mal brisante offene Fragen aus der Chemie. Zudem ist die Homöopathie seit zwei Jahrhunderten dabei, sich zu beweisen. Nenne mir eine andere (Natur-)Wissenschaft, die so lange an einem Problem gearbeitet hat, und es nicht gelöst hat…

      Und jetzt komm mir bitte nicht mit „Vielleicht liegt es ausserhalb der Reichweite von heutiger Wissenschaft.“ oder sowas 😉
      Unbestritten sind wir trotz dieser gigantisch vielen Entdeckungen erst am Anfang und es gibt noch jede Menge verborgenes Wissen. Nur was man oft unterschätzt, ist dass „Die Wissenschaft“ kein statischer Apparat ist, der eine Methode hat und damit alles erforschen will. In jede Richtung die irgendeine Auswirkung auf irgendeinen Bereich der Natur hat kann man forschen und tut das auch (Mir fällt grade als lustiges Physikerbeispiel das Neutrino ein. Hey, wir schaffen es, Teilchen nachzuweisen die quasi nicht mit der hiesigen Welt wechselwirken…).
      Wenn die Naturwissenschaft als Ganzes in zweihundert Jahren voller gut finanzierter Anstrengung nichts findet, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt einen Wirkstoff oder sonstige „Schwingungen“, nur wirkt dieser nicht, weil er keinen Einfluss auf die Natur hat, oder es wirkt nichts mehr.

      Und zu Jonas nochmal: Ich bin auch für einen Mittelweg. Allerdings in der Mitte zwischen Selbstbehandlung und Schulmedizin. Alles was wir brauchen um dieses in der Gesellschaft zu verankern sind sozial ausgebildete Ärzte, die dem Menschen geben, was er braucht. Keine neue Medizin und keine Quacksalber.

      (Nachtrag: Gerade noch über einen illustrativen Artikel über die Lügen-Statistiken der Homöopathie gestolpert. Bitteschön: http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2010/02/58-der-abgeordneten-des-deutschen-bundestags-haben-positive-erfahrungen-mit-einer-homoopathischen-behandlung.php )

    • Weißt du ab welcher Potenz man das nicht mehr nachweisen kann?, das erzähl ich dann meiner Freundin.. ^^
      Kann man dann eigentlich in den weniger potenzierten Mischungen was nachweisen?
      Weil ursprünglich war ja mal was drin!?

    • „Hochpotenzen ab D 23 bzw. C 12 enthalten kein Molekül des Grundstoffes.“

      Entnommen aus dem tollen Archiv über Zauberei, Esowatch.
      http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Hom%C3%B6opathie#Fehlen_der_wissenschaftlichen_Grundlage

  7. Sehr ausführliche Argumentation nochmal von hoher Stelle:
    „Britisches Unterhaus will Homöopathie aus dem Leistungskatalog streichen“

    http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2010/02/britisches-unterhaus-will-homoopathie-aus-dem-leistungskatalog-streichen.php

  8. Lustig, ich hätte garnicht gedacht das das *wirklich* so funktioniert. Komische Welt.


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