Verfasst von: dora | Dezember 25, 2009

Von Menschen, Macht und Militär

Die Klimakonferenz in Kopenhagen kann als gescheitert angesehen werden. Tausende Delegierte aus aller Herren Länder dieser Erde kamen zusammen um über die Ziele zu verhandeln, die im nächsten Jahrhundert einer Milliarde Menschen zum Urteil über Leben und Tod werden.
Das quasi einzige Ergebnis der Verhandlungen ist die völlig ungezwungene Forderung, die Erderwärmung auf maximal 2° über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Allerdings ohne jede Verpflichtung oder Bestrafung bei Nichtbeachtung.
Der Schuldige ist klar zu sehen: China.
Die chinesische Regierung scheint bei einigen Verhandlungen einen wirklichen Kindergarten veranstaltet zu haben. Es wurde unlogisch argumentiert, kleinste Kompromisse ignoriert und auf teils gar nicht schlechte Vorschläge einfach mit schlichtem „Nein.“ geantwortet. (Hier etwas ausführlicher. Und hier kurz und deutsch.)
Die jetzt schon älteren chinesischen Delegierten und sämtliche andere an diesem Gipfel beteiligten Staatschefs werden die Konsequenzen kaum noch erleben, denen sich die jüngere Generation jetzt ausgesetzt sieht. Klimaflüchtlinge, Wasserknappheit, gehäufte Naturkatastrophen und so weiter.
Auf diesem Gipfel hat der Kopf der Welt und allen voran die eigensüchtige kommunistische Partei Chinas entschieden, diese Welt den Bach runtergehen zu lassen.
Keine Frage, das Leben geht weiter. Es geht hier nicht um einen „Untergang der Welt“, sondern viel mehr um eine Frage der Moral und die Verantwortung gegenüber einem Teil der Menschheit.
Das weitere Vorgehen verlangt jetzt viel von den restlichen Politikern. Auch wenn Chinas Regierung bist zu deren Ende wohl kaum einen Schritt zurück gehen wird, haben die anderen Länder doch die Chance Schäden zu begrenzen und Aktion zu zeigen.
Erst kürzlich war im Magazin „Spektrum der Wissenschaft“ zu lesen (hier kostenlos abrufbar und unbedingt lesenswert!) , was die Umstellung der gesamten Welt (Ja, die gesamte. Es ist eben eine akademischere Zeitschrift) von herkömmlichen Energieerzeugungsformen hin zu regenerativen Energien kosten würde und wie viel Potential darin überhaupt liegt.
Das Ergebnis ist erschütternd, wenn man aktuelle Politik verfolgt. Relativ zu zukünftigen Kosten sind die Preise jetzt schon im Keller und im vergleich zu anderen Staatsausgaben ist diese Revolution auch nicht kostspieliger.
Die Ressourcen, die uns allein mit den schon jetzt verfügbaren Technologien zur Verfügung stehen sind gigantisch (siehe Bild im Artikel). Der Anteil davon, den die Menschheit davon braucht verschwinden nahezu. Was fehlt ist einzig politischer Wille und Durchsetzungskraft.
Wenn eine Regierung wie die hiesige deutsche von Atomkraftlobbyismus geprägt ist und das mühsam ersparte und erkaufte Geld lieber für Rüstung ausgibt, hat man freilich keine Zeit mehr für solche Dinge (Obwohl man sich ja heute schon fast bedanken muss, eine Regierung zu haben, die nicht einfach nur ‚Nein.‘ sagt und Staatszensur einführt. Danke.).

Jährlich etwa 20 Milliarden Euro. Eine gigantische Summe, und doch kein großer Hund im Gesamthaushalt dieser Bundesrepublik. 20 Milliarden Euro würden in etwa benötigt, um große Schritte innerhalb wenig Zeit in Richtung Emmissionsfreier Staat zu schreiten. 31,1 Milliarden Euro für das Jahr 2010 und in vergangenen Jahren nicht deutlich weniger.
Das gibt der deutsche Staats für „Verteidigung“ aus. Teure Ausrüstung, von schlechter Qualität, wahnwitzige Summen in die Ausbildung, deren Effizienz zu wünschen übrig lässt, planungsunfähige Leitungsbefugte und kein Ablassen von Projekten wie dem Transall-Ersatz Airbus A 400M, die von EADS selbst schon lieber aufgegeben worden wären, statt noch ein Kosten-Desaster zu verursachen.
Die sogenannte Verteidigung Deutschlands am Hindukusch, aus ursprünglicher Angst vor mehr Terrorismus in den USA und natürlich auch hierzulande ist ein Irrsinn sondersgleichen. Keine Frage, dass Afghanistan jetzt, wo der Krieg nun mal stattfand humanitäre Hilfe braucht. So wie sie allerdings geleistet wird, ist dem Land kaum zu helfen. Auch der Versuch, die Sicherheit des Landes in die eigenen Hände zu überlassen und Polizei und Armee auszubilden, kann als kläglich gescheitert angesehen werden. Nach Jahren der Besserung erstarken radikale Kräfte erneut, die ehemals gefeierten Helfer werden zu Feinden und der Terror hat eine neue Blüte erreicht. Verteidigungsminister aller Kabinette und Länder sehen als Gegenmaßnahme nur, die Truppenzahl erheblich zu verstärken, aber sehen keine alternative Strategie. Das klingt ähnlich, wie ein Arzt, der nach allergischer Überreaktion durch ein Antibiotikum noch mehr davon verschreibt, weil es dann ja nur besser werden könne.
Ich weiß nicht was und wieviel Jung, Guttenberg und Co. von der Rüstungsindustrie alles bekommen, um diese „kriegsähnliche Situation“ nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern noch vergrößern wollen. Man verliert nichts, wenn man in Afghanistan deutlich einspart, der Bundeswehr preislich effizientere Ausrüstung und Aufträge gibt, aber man kann so viel gewinnen, mit dem Geld, dass nun anderweitig eingesetzt werden kann.
Die Staatsschulden werden sowieso nicht mehr getilgt. Komme eine Währungsreform oder sonst was. So viel kann ein Industrieland wie Deutschland einfach nie mehr sparen, um das wegzubekommen. Wenn man nun schon so weit ist, könnte man doch nun wenigstens das viele Geld, das sowieso ausgegeben würde, für sinnvolle global interessante Projekte verwenden.
Auch wenn ich den Vorteil einer echten (nicht einer deutschen) Revolution nicht immer sehe, und einiges schlechter würde, wie es derzeit hier ist; ich muss Peter Sloterdijk einfach recht geben, wenn er Sätze spricht wie die folgenden:

Man muss jetzt mehr denn je konstruktiv diabolisch denken und sich sagen, dieses Scheitern war das Beste, was uns passieren konnte. Immerhin weiß man ab heute besser denn je, was von UN-Spektakeln dieser Art zu halten ist, man weiß zudem, dass für eine effektive Weltsteuerung andere Organe erfunden werden müssen, und man weiß, dass die Zeit abläuft, in der die Bürger mit ihren Regierungen Geduld hatten.

Man hat uns glauben gemacht, das 21. Jahrhundert habe am 11. September 2001 begonnen, und sein Grundthema sei Sicherheit vor dem Terror. In Wahrheit beginnt das 21. Jahrhundert mit dem Debakel vom 19. Dezember 2009 – sein Grundthema ist das Fehlen von Global Governance. Die ganze politische Sphäre ist bloßgestellt, alles, was vorgibt, an der Macht zu sein, erscheint von jetzt an wie ein hohles Ancien Régime.

Nach Kopenhagen leben wir in einer vorrevolutionären Situation neuen Typs. In aller Welt werden die Bürger nach Sicherheit vor ihren Regierungen verlangen.

(Aus der Süddeutschen, Hier in voller Gänze.)

Wie er schreibt fühle ich mich. Mit verschiedensten Fällen aus Region und Welt wurde ich nach und nach desillusioniert und habe nun kein Vertrauen mehr in Staatssicherheit, Regierung und nicht zuletzt in den Menschen im Tier.
Eins ist schon alt: Ein einzelner Mensch hat meist zu wenig Kraft, etwas zu erreichen.
Aber etwas anders ist grundlegend neu: Ein einzelner Mensch kann mit einem einzigen Wort über das Schicksal von einem siebtel der Menschheit entscheiden. Und das ist heftig.
Die großen Entscheidungskräfte dieser Erde sind auch nicht mehr Übermensch als der Rest. Wer besser reden kann, wird regieren. Und doch kann er Egoist sein, cholerisch, intolerant und keine Vertrauen an ihm zulassen.

Nur gut, dass die Welt so schnell nicht aus ihrem Fugen gerät. Das Leben geht weiter, und man kann sich hier im so genannten Westen gut einrichten und lange und schön leben.
Und doch ist ein Land mit einer Regierung ohne Vertrauen (ausser von der Herrscherin selbst) keines, in dem sich gut lebt.

In diesem Sinne, frohes Fest ihr gläubigen Leute.

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Responses

  1. […] zu den dreisten Blockaden Chinas auf den Klimagipfel in Kopenhagen (schon vor knapp zwei Monaten auf hirnrauschen). Es wurde irgendein Schalter umgelegt, der mich aus der Resignation holte. Dieser stundenlange […]


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