Verfasst von: dora | September 15, 2009

Buchkritik, oder so: Der Anfang aller Dinge

Dieses Buch ist Teil meines neuen „Bücherregals“
Sieh dich dort doch mal ein wenig um!

Ab und zu hatte ich schon über das Buch gelesen, aber mich nie sonderlich dafür interessiert. Dann, durch einen wirklich unerwarteten Zufall, sah ich das Buch plötzlich in einem Fachfremden Laden vor mir, und kaufte es.
Vielversprechend war der Buchrücken. Mit großen Fragen nach dem Anfang, nach Zufall und Willensfreiheit, wurde nach Lesern getrachtet. Nicht zuletzt warb man mit einer Synthese von Naturwissenschaft und Religion. In diesen Fragestellungen eine gewagte These.
Das Buch ist, was man dazu sagen sollte, von Hans Küng geschrieben worden, welcher Theologe ist. Aber gut, dachte ich mir, ein wenig Kontrastprogramm schadet sicher auch nicht. Wenn man immer nur die Texte der einen Seite liest, dann kann man sich ja kein gescheites Bild machen…

Drei Teile habe ich in diesem Buch unabhängig aller Kapiteleinteilung herausgelesen. Zuerst die Erklärung vieler Naturvorgänge für den Einsteiger, ein wenig Kosmologie als Grundlage für die Frage nach dem Anfang und einen allgemein groben Überblick über den Stand von Biologie, Chemie und Physik zu unserer Zeit (welche in diesem Buch immerhin bis April 2009 reicht).
Als Zweites kommt dann eine Auflistung der großen Weltreligionen und auch hier ein für Laien gedachter Überblick über die wichtigsten Merkmale, Anfangsmythen, und so weiter. Eben alles, was man über die Religion an sich und im Detail so wissen muss in diesem Gespräch. Interessanterweise ging es im bezug auf das Christentum nicht nur um die von der katholischen Kirche derzeit vertretene Auffassung der Bibel und der ganzen Christenheit, sondern es wurde auch durch Küngs theologische Wurzeln auf die moderne Exegese eingegangen und ein grundchristlicher Ethos als besser dargestellt, wie der römisch-katholische.
Als letzten und natürlich längsten Teil, widmet sich Hans Küng dann der Annäherung der beiden Themen, den gemeinsamen Lösungswegen für naturwissenschaftliche, theologische und philosophische Fragestellungen.
Zuerst passiert das recht gut und erstaunt durch die Toleranz gegenüber wissenschaftlichen Fakten, die man vom Mainstream der Religion so meist nicht erfährt. Er verbindet wie versprochen auf häufig positive Weise einen gesunden Menschenverstand mit einem Religions und Glaubensverständnis. Vereint den Glauben an Gott – aber nicht die Bibel im Wortsinne – mit moderner Forschung und einem naturalistischen Weltbild.
Anfangs hört man noch oft Sätze im Sinne von „Man kann einen Atheisten kaum oder nur sehr schwer zu einem quasi-fröhlichen Glauben an Gott bringen und ebenso einen frommen Menschen nicht von der Kälte des Atheismus überzeugen, von dem her überlasse ich dem Leser selbst, was er tut und glaubt.“. Das zeichnet Küng als Theologen aus und machte auch lange Spaß zum lesen.
Aber wie man schon hört, sollte das nicht bis zum Ende so weitergehen und ward sogar nicht weit bis über die Hälfte des Buches so weiter zu hören.
Der Theologe nahm immer weiter Überhand in Küng. Aus einem Buch, dass die Forschung und den Glauben vereinen sollte, wurde – erst zwischen den Zeilen und dann ganz offen und ehrlich – ein Buch, dass den Weg zu Gott nicht nur aufzeigen sondern bereiten will, ja ihn als einzig sinnvolle Alternative sieht. Zum Ende kommt dann noch das folgenschwere Zitat:

Ich persönlich habe Blaise Pascals „Wette“ angenommen und setze […] auf Gott. […]
Im Vertrauen auf diese Botschaft [die von Jesus von Nazareth], hoffe also ich als Christ wie viele Menschen auf in anderen Religionen auf ein Sterben nicht in ein Nichts hinein, sondern in Gott hinein, was alle menschliche Vernunft und Vorstellung übersteigt. Welches Kind würde schon ohne besondere Kenntnis dem Kokon ein er Raupe die freie, nicht mehr an die Erde gebundene, lichtvolle Existenz eines Schmetterlings zutrauen!
Des bleibenden Risikos dieser Wette auf unbedingtes Vertrauen hin bin ich mir selbstverständlich bewusst, aber ich bin der Überzeugung: Selbst wenn ich die Wette im Tod verlöre, hätte ich für mein Leben nichts verloren, nein, ich hätte in jedem Fall froher, sinnvoller gelebt, als wenn ich keine Hoffnung gehabt hätte.

Zitat aus „Der Anfang aller Dinge“ von Hans Küng. Anmerkungen von mir.

Spätestens hier (was glücklicherweise erst eine Seite vor Schluss der Fall war) hörte bei mir jegliches Verständnis auf. War alles Vereinende mit den Naturwissenschaftlern nur gespielt? Der Vorher so stark auf Argumente bauende Küng gerät plötzlich in eine andere Welt. Schreibt, wie missionarische Theologen nun mal schreiben und Versucht durch Glück, Sinnerfüllung und Trallafitti den Weg mit Gott als den einzig wahren darzustellen.

Hätte er den Stil, nichts zu bevorteiligen und alle Weltansichten berechtigt und unwertend gegenüberzustellen und sie vereint zu einem Weltethos zu kombinieren, der gleichzeitig der Wissenschaft mit neuen Denkmustern hilft, beibehalten, wäre ich bei ihm geblieben.
So aber musste ich schon früh dieses Buch mehr nur lesen als nachvollziehen.

Schade um den Buchrücken.

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