Verfasst von: dora | Mai 30, 2009

Das Tao der Physik. Buchkritik oder so.

Dieses Buch ist Teil meines neuen „Bücherregals“
Sieh dich dort doch mal ein wenig um!

Selten hatte ein Buch so einen Wissensgewinn und gleichzeitig ein kleines Umdenken in mir erzeugt wie dieses.

„Das Tao der Physik“ von Fritjof Capra versucht, die Gemeinsamkeiten der östlichen Mystik und der modernen Elementarphysik aufzudecken.
Man muss dazu sagen, dass mein Wissen über die gesamte östliche Kultur sehr gering war. Weder über die großen Religionen, noch über Weltanschauung allgemein und der Kultur speziell in China und Indien.
Sowohl das eigentlich große Interesse für diese Denkweisen, als auch meine ständige Gier auf Physik machten dieses Buch schon zu einem Erlebnis.

Ein Beispiel zur Grundaussage des Buches:
Buddha sagt, dass nichts in dieser Welt von Dauer und alles nur in Bewegung ist. Weil der Mensch dies nicht akzeptieren kann, entstehen Leid und Trauer. Unwiderlegbar richtig und trotzdem nicht umgehbar.
Die Physik von heute spricht auch schon sehr oft von sogenannten Resonanzen. Teilchen, die nur noch so kurz existieren, dass sie quasi nicht existieren. Energie und Materie verschwimmen zusehends und nicht zuletzt die Stringtheorie ist eine einzige Bewegung. Sowohl der Buddhismus, als auch die moderne Physik reden also in etwa vn den gleichen Phänomenen. Die einen gehen vom geistigen, „ganz großen“ Denken aus, die anderen vom rationalen über das „ganz kleine“. Tollerweise kommen die beiden Denkmuster dann zu einem sehr ähnlichen Schluss.

Soweit so gut.

Was ich an diesem Buch etwas schade fand, ist allerding die Selektion, die Capra betreibt.
Er bleibt selten bei einem Mystiker und selten bei einem Thema um die Dinge zu vergleichen. Sucht sich die Zitate genau so zusammen, dass sie wahnsinnig passend erscheinen, obwohl die Personen eigentlich großteils anderer Meinung sind. Sowohl bei den Physikern, als auch bei den Mystikern und deren Interpreten.
Wenn man vollkommen textorientiert ohne Bezug auf die Personen durch das Buch geht, meint man irgendwann, wie diese Parallelen nur übersehen werden konnten, wenn sie schon so offensichtlich sind.
Sobald man sich aber mit Leuten auseinandersetzt, die nicht mit der These von Fritjof Capra übereinstimmen (nicht so der oft zitierte D.T. Suzuki, der selbst sehr westlich orientiert ist) , wird klar, dass es nur begrenzt passt.

Als zweiter Kritikpunkt ist die am Ende so bis in den Himmel gelobte Bootstrap-Theorie.
An sich eine nette Idee und auch viel dran. Nur leider versteift sich das Buch darauf, diese Theorie auf den bis damals nicht erklärbaren EPR-Effekt (Einstein-Podolski-Rosen-Effekt) und das Nicht-Auftreten einzelner Quarks zurückzuführen.
Der EPR-Effekt wurde noch nicht direkt gelöst, hat aber seit der Kopenhagender Deutung (siehe Wikipedia-Artikel) der Quantentheorie einiges an Reiz verloren.
Und es mag noch nicht jeder mitbekommen haben, das früher geschriebene Buch sowieso nicht. Aber am 10. März dieses Jahres 2009 wurde am Fermilab in den USA ein einzelnes Quark entdeckt.
Somit bleibt mir nur zu denken: Die Bootstrap-Theorie ist eine faszinierende Angelegenheit und ich freue mich, in meinem weiteren Leben als Physiker vielleicht mal damit etwas mehr damit tun zu dürfen, aber in der Art und Weise wie von Fritjof Capra dargestellt ist sie schlichtweg nicht haltbar.

Abschließend nochmal: Ja, es gibt große Parallelen und ja, die westlich-wissenschaftliche Denkweise ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Die beiden Philosophien, wenn ich sie einmal so nennen darf, Physik und östliche Mystik sind komplementär. Sie brauchen einander nicht. Sie handeln von sich ausschließenden Dingen. Aber der Mensch wird beide brauchen.
Der Westen ist zu sehr „Yang“. Hebt die männlichen und maschinistischen Werte hervor.
Was wir daraus lernen können, ist nicht eine „Yin-lastigere“ Welt zuzulassen und etwas mehr auf die Intuitiven Werte zu hören und nicht nur die rationalen.
Es soll nicht heißen, dass Physiker jetzt meditieren sollen und Zen-Meister ihre Freude an Knallgasexperimenten haben sollen. Nein, vielmehr die Verbindung beider Denkweisen in einer Gesellschaft.
Nicht zum Zwecke der Selbstbefriedigung mit Himalayasalz und Räucherstäbchen in einer kapitalistischen Gesellschaft, sondern in ihrer Verbindung für das öffentliche Denken. Größere ökologische Maßstäbe, im Einklang mit Mitmenschen und der Natur leben. Und dennoch technischer Fortschritt.
Allein der innere Widerspruch dieser beiden Dinge zeigt mir, wie sehr ich und wohl auch viele andere Menschen von der westlichen Denkweise geprägt sind.
Aber es gibt noch mehr.

Und allein um das zu erfahren, rate ich jedem das Buch zu lesen!

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