Verfasst von: dora | März 11, 2009

Der Sinn des Lebens.

Man muss schon sagen, die Natur hat beste Dinge geleistet, ihren Mechanismus „Evolution“ gut am Laufen zu halten. Von den kleinsten Wuselviechern bis zum Blauwal, alle wollen nur das eine. Und so kommt auch so eine etwas hirnigere Art Affen nicht dem Thema der Liebe aus. Da wir uns einigermaßen zivilisiert fühlen, haben wir den Drang nach Liebe, oder deutlich: Sexualität in einen Tabubereich verdrängt, und doch ist er da. Bei jedem Einzelnen.
Da uns in unserer Zivilisiertheit auch mal Platz für das Mitdenken blieb und wir jetzt so da sind mit unseren riesigen Hirnen, geben wir uns auch gerne mal mit weniger zufrieden. Liebe. In Form von Geborgenheit, Zuneigung und ab und zu einem kleinen Küsschen auf die Backe haben wir gleich wieder viel Stoff zum Glücklichsein.

Doch was nun, wenn diese rosarote Welt nur im Kopf stattfindet, andauerndes Wunschdenken ist und ihrer Erfüllung lange dahinsiecht?

Nebenbei: Ich bin ganz ehrlich ein Beziehungsmensch. Ich war noch nie einer, der sich in eine schwummrige Disko setzt um dort das Date des Abends zu verführen und dem die Absage am nächsten Tag dann unter der Schuhsohle vorbeigeht, da es am nächsten Abend genauso weitergeht. Für mich ist Liebe nicht gleich Liebe machen. Und ja, natürlich. Ich bin während dieses Artikelschreibens Single.

Es kommt so oft vor. Ein bekannter Mensch unwichtigen Geschlechts bringt eine weitere aber noch unbekannte Person des anderen Geschlechts in eine Kneipe mit. Am Anfang nichts besonderes. Im Laufe des Abends unterhält man sich immer besser, Sympathien bauen sich auf, bis man langsam mal an mehr denkt. Man schwenkt vom reden zum Flirt über. Ganz normal. Doch auch die Gegenseite bemerkt es, zeigt entweder plötzlich weniger Interesse oder lässt undauffällige Erlebnisse „mit meinem Freund“ einspielen.
Obwohl ich die Person vor dem Abend nicht kannte hat sie meinen Abend damit zerstört. Halt. Ich selbst war es.

Die Erfahrungen mehren sich. Die Folge ist klar. Ich bin darauf konditioniert, Sachen zu vermeiden, die ich nicht mag. Also hör ich auf, offensiv zu sein. Ich verkrieche mich. Verehre Frauen nur noch im Kopf. Wenn überhaupt.

Etwas später im Leben. Es klappt auf wundersame Weise und mit Hilfe von Freunden und Freundinnen wieder hochzukommen und man hat mal wieder das Vergnügen eine Frau ernsthaft zu lieben. Eine glückliche Beziehung tut sich auf und lässt alles vergessen.

Obwohl nahezu ein Jahr vergangen, ist nach gefühlten 8,73 Sekunden wieder alles vorbei. Und nicht nur das. Man erfährt aus dritter Hand vom Fremdgehen der Liebsten. Der Liebsten? Nein Danke. Kacke was soll das eigentlich? Hallo? Was is nu mit mir?

Fast ein halbes Jahr Verbitterung und keine Lust auf Irgendetwas, das mit Frauen zu tun hat folgen. Aber auch das geht vorbei. Unglaublich aber wahr.

Dann, langsam kommt das Interesse wieder. Jedoch der Mut ist wieder auf dem Stand von vor der großen Beziehung. Alle Wortwahl mit Frauen des Interesses scheint labil wie eine Seifenblase im Hochofen.
Sag ich zu wenig merkt sie nichts, sag ich zu viel hab ich nichts.
Man sagt sich zu Hause, dass man nichts zu verlieren habe. Man hat Knie wie Götterspeise mit Waldmeistergeschmack wenn man soweit ist. Und wieder möchte man einfach nur laut „Kacke!“ schreien. Als ob es was bringen würde.

So darbt man nun dahin. Sich selbst verflucht die emotionale Seite ob der sexuellen Einstellung und lobt die rationale Seite, dass man immernoch so tapfer sei, und nich sein Geld an Leute verschwendet, die es letztendlich nicht so ganz verdient haben wie Mrs. Perfect, die noch irgendwo wartet.
Und letztendlich macht man sich dann so endlos viele Gedanken. Über Ursachen. Über Lösungen.
Das eine lässt sich nicht ändern und das andere nicht finden.
Es lässt einen nach so viel Wissen strebenden Geist einfach nicht in Ruhe, sich immer wieder vorzustellen, dass die Liebe ein Thema ist, dass weder stark vereinfacht werden kann, noch mit irgendeiner Portion Ratio daherkommt.

Gespräche mit Freunden über das eigene und das fremde Leid. Gespräche über neuste Erfahrungen und Geschichten. Gespräche über Gespräche. Ideen für neue einseitig orientierte SocialNetworks mit dem Ziel die Nadel im Hauhaufen schneller zu finden und andere Verzweiflungstaten. Dazwischen immer mal wieder lächerliche Versuche das Singledasein zu beenden. Natürlich alles Erfolglos.

Wie schon kürzlich in einem anderen Beitrag hier erwähnt. Ich finde es wirklich unheimlich faszinierend und gleichzeitig absolut deprimierend, dass die Menschen noch so unglaublich tierisch sind, dass sie diesem Trieb nicht auskommen. Jeder der jetzt sagt ‚Wollen wir ja auch gar nicht. Lieben ist toll.‘ passt perfekt in mein Bild. Also jeder. Fortpflanzung ließe sich heute sicher anders regeln. Aber die Qual des unglücklich Verliebtseins als unser nicht erfüllter innerster Trieb bleibt keinem erspart. Seit es Menschen gibt. Wo immer, wann immer, warum auch immer. Menschen lieben. Menschen sind depressiv, frustriert, zu Gewalt bereit, zu Allem bereit. Nur wegen Liebe.

Michael Mittermeier hat einmal treffend festgestellt, dass kein Mensch beim Orgasmus über den Sinn des Lebens nachdenkt. Der Grund liegt auf der Hand. Wir sind dazu da, dass wir weiterhin dableiben. Sex ist der Sinn des Lebens. Die allzumenschliche Begleiterscheinung der Liebe ist das stärkste positive Gefühl, dass wir überhaupt zu fühlen im Stande sind. Und verdammtnochmal ich will sie auch mal wieder fühlen. Verliebtsein ist ja doch irgendwie wie das Warten auf dein Weihnachtsmann am sechundzwanzigsten Dezember des Vorjahres von dem, in dem einem die Eltern sagen werden, dass es selbigen nicht gibt. Nicht verliebt sein jedoch ist ein Zustand, den zu verlassen das einfachste von der Welt ist. Wohin führt das Leben einen einzelnen Menschen also?

Du weißt es. Du wirst nichts ändern können. Wie die 250000 Menschjahre vor dir. Vergiss es und leide. Friss oder stirb.

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Responses

  1. Mir fällt dazu nur Nietzsche ein:

    In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der „Weltgeschichte“: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, daß auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt. Es ist nichts so verwerflich und gering in der Natur, was nicht, durch einen kleinen Anhauch jener Kraft des Erkennens, sofort wie ein Schlauch aufgeschwellt würde; und wie jeder Lastträger seinen Bewunderer haben will, so meint gar der Stolzeste Mensch, der Philosoph, von allen Seiten die Augen des Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu sehen.

    (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn; Aufsatz)


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