Verfasst von: dora | März 4, 2009

Kirche, Glaube und Evolution

Welcher Begriff passt hier nicht dazu?

Meistgeantwortet wird hier sicher ‚Evolution‘ sein. Jedoch ist das Denken Evolution und Kirche seien so gut wie nicht vereinbar nur eine gut gestreute Meinung von Extremisten der katholischen Kirche. Den Kreationisten.

Was in der heutigen Gesellschaft und vor allem in letzter Zeit immer weniger zusammen passt, sind Kirche und Glaube. Während immernoch rund die Hälfte aller Deutschen in irgendeinerweise an einen christlich geprägten Gott (ob mit oder ohne Rauschebart sei dahingestellt) glaubt, sind die Kirchenbesucher im letzten Jahrhundert wohl drastisch zurückgegangen.

Nicht zuletzt aktuelle Fälle wie die den Holocaust leugnenden Sätze von Bischof Williamson und deren Reaktion von Kirche und anderen Religionen, lassen viele an der Institution ‚Katholische Kirche‘ zweifeln. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob diese Person fromm oder quasi gottlos ist. Das Gottesbild verändert sich kaum. Die Meinung zur Kirche dagegen verschlechtert sich gravierend.

Da stellt sich doch eine Frage auf: Welchen Sinn ausser den Eigensinn der Machterhaltung hat die Existenz des „Bodenpersonal Gottes“ eigentlich noch? Eine kürzliche Diskussion fing damit an, dass der Großteil inklusive mir die Kirche als Vertreter der Moral und Ethik sieht, die ihre offensichtlich extreme Einstellung  (Stichworte Abtreibung, Stammzellen, Verhütung) haben muss um überhaupt etwas zu erreichen. Genau wie die IGMetall, die mal wieder 300% mehr Lohn fordert, um letztendlich doch auf ein plus von 3,49€ zu kommen.

Nur eigentlich ist der Gedanke, die Kirche hätte noch wirklich viel zu sagen von einer Zeit die vor der unseren liegt. Die Medienlandschaft ist kaum auf Religion ausgerichtet, Politiker sind nur zwecks des Wahlergebnisses Scheinreligiös. Die ganze westliche Welt benutzt Kondome und Abtreibungen sind auch nicht gerade selten. Die Moralapostel für die wieder mal viel zu wilde Forschung ist längst eine veränstigende Medienwelt und somit die Bevölkerung selbst geworden. Alle haben Angst vor ‚Atom‘ und ‚Chemie‘, und auf ähnliche Weise kann man ganz schnell mal eine ganze Schicht an Menschen gegen Klonen und Stammzellenforschung aufbringen. Somit hat neben der Vermittlung des Glaubens die Kirche auch diese Aufgabe verloren. Weitere Folgen will und kann ich hier nicht darstellen. Das soll die Zukunft selber tun 😉

Um den Bogen wieder zum Anfang zu spannen möchte ich noch auf einen sehr lesenswerten Artikel eines Nürnberger (Hobby?-)Philosophen verweisen, der nicht nur keine Gegensätze zwischen Christentum und Evolution sieht, sondern das eine sogar als unmittelbare und nahezu unvermeidbare Folge des anderen sieht.  Er beschreibt im Detail die Entwicklung von Glauben in der Evolution des Menschen.

Da die christliche Lehre auf den Glauben, also auf die existentielle Umstellung, und nicht auf die menschliche Ratio als folgenloses Wissen setzt, kann sich jede Art vorkommender geistiger Ausstattung in dieses „System“ einbetten. Damit erfüllt diese Religion jene Forderung, die conditio sine qua non für jede Weltreligion ist, daß sich in ihr jedes Individuum der Gattung potentiell finden können muß. So gesehen hat das Christentum noch eine lange Daseinsberechtigung: Solange der menschliche Geist in der Mehrzahl seiner Träger noch weit unterhalb der im Christentum angelegten Möglichkeiten zur existentiellen Sinnfindung bleibt, stellt es ein Gefäß dar, das die Fruchtbarkeit der Innerlichkeit des Menschen hervortreiben und fördern kann – und dem sich unsere moderne Rationalität nur deshalb so überlegen glaubt, weil diese Rationalität auf sich selbst stehen zu können meint, sich damit aber in Wirklichkeit der lebendigen Innerlichkeit begeben hat und so den Äußerlichkeiten verfällt.

(Christentum und Evolution, Helmut Walther)

Und zuletzt sind sogar Gedanken zu finden die den Gründern und Verbreitern des Christlichen Gedankens eine gewisse Planung unterstellen (Ein Gedanke den ich selbst schon lange hatte. Ähnlicher Weg wie die Politik heute geht. Nur damals von Proheten) um dem einfachen Volk auf fast schon perfide Weisen Grundgedanken des öffentlichen Zusammenlebens vermitteln:

Was will uns das Gebot der Gottesliebe anderes sagen, als daß wir über uns selbst hinaus als Ziel unserer Existenz das Transzendieren des Seienden heilig halten sollen, um damit den Gang der lebendigen Entwicklung fortzuführen? Und was ist das Gebot der Nächstenliebe anderes als die konsequente Befolgung der Erkenntnis der Vernunft, daß alle Menschen gleichen Wesens sind?

(Christentum und Evolution, Helmut Walther)

Insofern nochmals. So fern ich dem christlichen Glauben selbst bin. Die Grundgedanken sind in unseren Menschenrechten heute fest verwurzelt und auch nach wie vor wichtig. Mit Medien, stabiler Verfassung und zugehörigem Verfassungsgericht sehe ich die Kirche selbst unabhängig von den Gläubigen als Überholt, Unfähig und sogar Unnütz.
Trotzdem betone ich hier gerne: An sich bin ich sehr tolerant, was Glaube angeht. Jeder soll das Glauben was er will. Solang er damit nichts der Allgemeinheit schädliches tut oder mir seine Meinung auf extreme Weise aufdrängen will ist jede Religion völlig in Ordnung. Nicht jedoch in Ordnung ist eine machtgesteuerte Institution, die von mir auch noch Geld verlangt um die Gärten im Vatikan zu verschönern, aber die dorfeigene Kirche langsam verrotten zu lassen.

In diesem Sinne: Was zu Hölle!

(Link zum Text, der diesem Artikel zu Teilen zu Grunde liegt)

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